Der digitale Produktpass verändert den Mittelstand

Der digitale Produktpass wird ab 2027 schrittweise Pflicht. Voraussetzung sind Produktdaten über den ganzen Lebenszyklus. Wer frühzeitig agiert, schafft Compliance und die Basis für neue datenbasierte Geschäftsmodelle.

Seit 2024 gilt in der EU die Ökodesign-Verordnung ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation). Sie bringt die Wirtschaft auf den Weg zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Hersteller sind nun verpflichtet, Produkte langlebig, reparierbar und umweltfreundlich zu konstruieren. Dafür sind bei Reparaturbetrieben, Verwertern und Weiterverarbeitern Produktdaten notwendig, die sie über Material und notwendige Prozesse informieren. Das Werkzeug dafür ist der Digitale Produktpass (DPP), ein Datensatz, der mit Software erzeugt, gespeichert und ausgelesen wird.
Der DPP ist ab 2027 zunächst für Industrie- und Fahrzeugbatterien Pflicht und wird Zug um Zug auf andere Produktgruppen ausgeweitet – insgesamt mehr als 30. In Zukunft werden fast alle physischen Güter einen Produktpass besitzen, auch Komponenten oder Baugruppen von komplexen Gütern, etwa Netzteile, Steckbrücken oder Steuerungssysteme. Ausgenommen sind lediglich Lebensmittel und Medikamente. Daran zeigt sich, dass Unternehmen sich frühzeitig und systematisch auf den DPP vorbereiten müssen.
Auf einer spezialisierten Software-Plattform, wie sie beispielsweise Spherity anbietet, können Unternehmen Produktpässe entsprechend ihrer Anforderungen erstellen. Jedes einzelne Produkt erhält
eine eindeutige Kennzeichnung, die gut sichtbar und leicht erkennbar am Gehäuse oder dem Produkt selbst angebracht werden muss.
Eine einfache Möglichkeit ist ein Aufkleber mit QR-Code. Er führt nach dem Scannen in eine Anwendung in der Cloud, die die gewünschten Daten anzeigt. Der Vorteil dieser Lösung: Ein handelsübliches Smartphone reicht bereits aus, um den Produktpass anzuzeigen und sich über das Produkt zu informieren. Für indus-
trielle Produkte wie beispielsweise Maschinen gibt es zudem RFID-Tags, die das Scannen aus größeren Distanzen erlauben. Das ist hilfreich für automatisierte Prozesse in der Intralogistik, sodass niemand Aufkleber suchen und manuel scannen muss. Eine weitere Alternative dazu sind NFC-Chips. Sie bieten eine höhere Sicherheit und können zudem Daten wie etwa Frachtpapiere direkt speichern.
Die Informationen aus dem Produktpass müssen laut EU-Verordnung verifizierbar, manipulationssicher und rollenbasiert zugänglich sein. Das bedeutet: Nicht jeder Akteur in einer Wertschöpfungskette er-
hält die gleichen Informationen. Einige grundlegende Informationen sind sogar für Verbraucher mit einem Smartphone sichtbar. Sie können den QR-Code scannen und sehen dann auf einer Website zum Beispiel den CO2-Fußabdruck, eine Liste mit den genutzten Materialien und andere grundlegende Daten.
Es ist sinnvoll, den DPP als Investition zu verstehen, denn er gibt mittelständischen Unternehmen auch neue Chancen. Die gesammelten Daten sind grundsätzlich sehr wertvoll und können für unterschiedliche, datenbasierte Services genutzt werden. Naheliegende Themen sind Fernwartung oder zustandsbasierte Instandhaltung. Für Geschäftsführer und Inhaber ergibt sich eine klare Aufgabe: Der digitale Produktpass sollte als Teil der Unternehmensstrategie betrachtet werden.
» Ricky Thiermann, Leiter Produktmanagement, Spherity
Den vollständigen Artikel aus dem Industrieanzeiger können Sie hier als PDF herunterladen:

